Interview mit dem DKG-Journal

Zehen im Whisky und Rattenschwänze –

neue Perspektiven auf unser Partnerland Kanada

 

Interview mit Bernadette Calonego

über ihr neues Buch „Oh, wie schön ist Kanada! – Leben unterm Ahornblatt“

Das Interview führte Stefan Endres.

 

 

DKG-Journal:

Vielen Dank für die mehrfache Erwähnung der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft in Ihrem neuen Buch.

 

Bernadette Calonego:

Gerne geschehen. Die DKG ist für mich eines der Bindeglieder nach Deutschland.

Zum einen finde ich das DKG-Journal außerordentlich informativ und spannend zu lesen. Es interessiert mich zum Beispiel, wie Deutsche Kanada sehen und welche Erfahrungen sie dort machen. Durch DKG-Mitglieder erhalte ich auch immer wieder interessante und nützliche Kontakte. So hat mich etwa Udo Voigtländer aus München mit Deutschen bekannt gemacht, die nach Vancouver ausgewandert sind.

 

Seit wie vielen Jahren leben Sie schon in Kanada?

 

Es sind nun zwölf Jahre. Mir gefällt es hier, ich bin kanadisch-schweizerische

Doppelbürgerin, und Kanada ist mir ans Herz gewachsen.

 

 

Was an Ihnen ist während Ihrer Zeit in Kanada „kanadischer“ geworden,

was „europäischer“?

 

Ich glaube, die Gelassenheit und Freundlichkeit der Kanadier hat ein bisschen auf mich abgefärbt – wenigstens hoffe ich das!  Ich bin vielleicht auch diplomatischer geworden und nicht mehr so direkt und unverblümt wie am Anfang.

Ich merke aber, dass westeuropäische Werte wie Demokratie für Bürger oder Umwelt- und Tierschutz einen großen Stellenwert für mich haben. Ich denke, da gibt es noch Aufholbedarf in Kanada.

 

Wie hat sich in den letzten Jahren das Bild der Kanadier von den Deutschen verändert?

 

Ich kann mich lebhaft erinnern, dass man mir bei meiner Ankunft in Kanada sagte, in den Häusern mit Gartenzäunen ums Grundstück herum lebten ganz sicher Deutsche, da könne man Gift darauf nehmen. Kanadier würden sowas nicht machen. Das war natürlich ein Vorurteil: Man sah die Deutschen vor allem als eher sture Menschen, denen Ordnung, strenge Regeln und Pünktlichkeit wichtig war. Wenn sich Deutsche über Kandier aufregten, bekamen sie schnell das Image des „angry German“, des wütenden Deutschen. Aber vor allem durch Medienberichte sickert zunehmend ein positiveres Bild durch: Berlin wird als aufregende, farbige Metropole im Aufbruch gesehen, deutsche Ideen im Technologiebereich finden große Aufmerksamkeit, deutsche Autos werden ohnehin wegen ihrer Qualität und Zuverlässigkeit bewundert,

und auch deutsches Design von Möbeln, Geschirr oder Kleidern kommt hier sehr gut an. Man kann sagen: Deutschland ist „in“.

 

 

Warum haben Sie ausgerechnet jetzt „Oh, wie schön ist Kanada! – Leben unterm Ahornblatt“ verfasst?

Der Ullstein-Verlag ist an mich herangetreten und fragte mich, ob ich dieses Buch schreiben wolle. Es ist Teil einer erfolgreichen Serie über alle möglichen Länder, die Autoren sind meist Auslandskorrespondenten deutscher Zeitungen.

 

 

Ein Faden durch die 264 Seiten sind die kanadischen Männer:

Bitte basteln Sie unsern Lesern, oder besser Leserinnen, mal den perfekten transatlantischen Mann – drei Teile kanadisch, drei Teile deutsch!

Entspannt, hilfsbereit, optimistisch als kanadische Eigenschaften.

Unternehmerisch, politisch interessiert, entscheidungsfreudig als deutsche Eigenschaften.

 

Steckt viel magischer Realismus zwischen den Zeilen oder kann man Ihr Buch als Reiseführer durch Kanada nehmen, um dann auch die Hauptcharaktere kennen zu lernen?

 

Als Reiseführer bestimmt! Diese Reisen habe ich ja tatsächlich unternommen, und wer in meinen Fußstapfen reist, wird dieselben Orte und ähnliche Menschen antreffen. Auf einen Eisbrecher der kanadischen Küstenwache schaffen es vielleicht nur Auslandskorrespondenten, aber es gibt andere Schiffe, die durch die Nordwestpassage fahren. Ein deutschsprechender Kanadier, der auch viel herumgekommen ist und mein Buch gelesen hat, sagte mir kürzlich: „Genau solche Typen wie in Ihrem Buch habe ich auch angetroffen! Die sind wirklich so.“

Ich habe natürlich aus Gründen des Personenschutzes einige Details geändert oder Dinge verfremdet.

 

 

Ihre allergeheimsten Geheimtipps lassen wir mal außer Acht, aber welchen Ort

„off the beaten track“ sollten wir bei unserem nächsten Kanada-Aufenthalt alle mal besuchen?

 

Ich finde, die ostkanadische Insel Neufundland ist immer noch ein Geheimtipp für viele Europäer. Ich traf dort im vergangenen September junge Schweizer an, die begeistert waren und sagten, es sei schade, dass Neufundland so wenig bekannt sei. Vielleicht ist das aber gerade gut, dann kann man ein wenig bereistes Stück Kanada auf eigene Faust entdecken. Die Menschen dort sind enorm freundlich und die wilde Landschaft sehr eindrücklich. Und wo gibt es schon Ortsnamen wie Dildo oder Cupids oder Heart`s Delight?

 

 

In Ihrem Buch gibt es eine ganze Reihe davon: Welche drei Mutproben bzw.

Initiationsriten müssen wir denn dann auf jeden Fall bestehen, um „Ehren-Kanadier“ zu werden?

 

In Dawson City im Yukon muss man einen Whisky mit einer mumifizierten menschliche Zehe darin austrinken, bis die Lippen die Zehe berühren.

In Neufundland muss man einen Kabeljau küssen, einen Satz im Newfie-Dialekt nachsprechen und einen Jig tanzen.

Und in den Northwest Territories muss man von einer gebratenen Bisamratte kosten. Ein Tipp: Der knusprige Schwanz ist das beste Stück!

Vielen Dank für dieses Gespräch.