Kanada sieht überall Hanf

In der Region Vancouver werden unbescholtene Bürger Opfer des Kampfs gegen Haschisch. Bussen gibt es auch schon einmal wegen Gurkenaufzucht oder weil die Stromrechnung hoch ist.

von Bernadette Calonego,Vancouver (veröffentlicht im St.Galler Tagblatt am 24. Januar 2011) .

 

 

Hohe Stromrechnungen können für unbescholtene Bürger, die im Einzugsgebiet der kanadischen Stadt Vancouver leben, schlimme Konsequenzen haben. Sie müssen damit rechnen, als Drogenhersteller verdächtigt und – selbst wenn man in ihrem Haus keine Marihuana-Pflanzen findet – mit einer Gebühr von mehreren tausend Franken bestraft zu werden. Stacy Gowanlock, einer der betroffenen Bürger, musste über 5000 Franken bezahlen, nachdem ein Inspektorenteam der Gemeinde Mission sein Haus besucht hatte.

Inspektoren auf Tour

Die drei Gesundheitsinspektoren, die sich laut Gowanlock nur 15 Minuten in seinem Haus aufgehalten hätten, behaupteten, der Dachboden sei früher als Marihuana-Plantage gebraucht worden. «Ich habe nie im Leben Marihuana angepflanzt», sagt der 41jährige Baggerfahrer. Die Inspektoren hätten auch keine Beweise vorgelegt, sondern nur inkorrekt gelegte Stromkabel zum Whirlpool bemängelt.

In der Provinz British Columbia kann die Polizei nicht einfach in ein Haus eindringen, ausser es gibt einen dringenden Verdacht auf kriminelle Aktivitäten. Gesundheitsinspektoren jedoch können einfach vorbeischauen, und – falls sie ein Drogenlabor finden – die Polizei rufen, deren Wagen meist in der Nähe wartet. Immer mehr Bürger in der Umgebung von Vancouver werden aber so unschuldige Opfer des Kampfs gegen den Haschisch-Anbau. Gowanlocks Verhängnis war der hohe Stromverbrauch für sein riesiges Haus, in dem seine achtköpfige Familie wohnt, Strom für die grosse Werkstatt, das Schwimmbad, den Whirlpool, die vier Kühlschränke und andere Apparate. Auch Marihuana-Plantagen verbrauchen viel Strom. In zehn Gemeinden in Vancouvers Ballungsraum haben die Behörden deshalb Zugriff auf die Stromrechnungen der Bürger.

Schimmel ist verdächtig

Die Inspektoren brauchen keine Marihuana-Aufzucht zu finden, um den Hauseigentümer mit einer hohen Busse zu belasten, sondern nur Mängel oder Dinge, die angeblich auf ein Drogenlabor hindeuteten. Dazu können eine neue Wand oder Schimmel gehören. In einem Fall hatte ein gebüsster Hausbesitzer nur Gurken im Keller aufgezogen. Bürger wollen sich jetzt mit Sammelklagen gegen das Vorgehen wehren.