{"id":184,"date":"2019-01-14T16:43:00","date_gmt":"2019-01-15T00:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernadettecalonego.com\/de\/?page_id=184"},"modified":"2019-02-08T08:33:30","modified_gmt":"2019-02-08T16:33:30","slug":"auszug-die-letzte-erkenntnis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/de\/bucher\/die-letzte-erkenntnis\/auszug-die-letzte-erkenntnis\/","title":{"rendered":"Auszug: Die letzte Erkenntnis"},"content":{"rendered":"\n<p>Copyright @ Verlag Edition M<\/p>\n\n\n\n<p>Autorin: Bernadette Calonego<\/p>\n\n\n\n<p><br> <strong>Prolog<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br> Pl\u00f6tzlich war der Boden weg. Nichts mehr. Nur Leere.<br> Er fiel. Sein Kopf schlug wie ein Squashball links und rechts auf. W\u00e4nde aus steinhartem Schnee. Er hatte keine Zeit zum Schreien.<br> Er fiel und fiel. Und dann ein j\u00e4her Schlag durch den ganzen K\u00f6rper. Der Aufprall.<br> Er brauchte Minuten, um wieder denken zu k\u00f6nnen. Ganz nah vor sich sah er bl\u00e4ulich schimmerndes Eis. Er versuchte, den Kopf zu bewegen. Der Kopf lie\u00df sich bewegen! Wo waren seine Arme? Seine rechte Hand f\u00fchlte sich weit weg an, wie losgel\u00f6st vom K\u00f6rper. Der Arm zeigte nach oben, er lag parallel zum Kopf.<br> Sein linker Arm steckte in einem Kissen aus Schnee zwischen K\u00f6rper und Eiswand. Langsam sah er an sich herunter. Angst kroch in ihm hoch. Angst zu sehen, was dort unter ihm war.<br> Seine F\u00fc\u00dfe baumelten im Leeren.<br> Da war nichts, einfach nichts. Ein g\u00e4hnender Abgrund. Tief unten lauerte der Tod.<br> Ihn \u00fcberfiel Panik. Er schrie. Seine Schreie hallten dumpf von den Eisw\u00e4nden wider.<br> <br> Jetzt begriff er. Er klemmte in der schmalsten Stelle einer Spalte, die sich verengte wie eine Sanduhr und dann wieder weitete. Er war in eine Gletscherspalte gest\u00fcrzt. In dem beliebten Skigebiet gab es gef\u00e4hrliche Gletscherspalten! Kinder auf Snowboards waren vor ihm die Piste hinuntergesaust. Aber er war durch den Schnee in den Abgrund gebrochen.<br> Jetzt hing er in einer kuhlenf\u00f6rmigen Scharte. Er schaute hoch. Weit, weit oben schimmerte helles Licht durch den nachgerutschten Schnee. Viel zu weit oben. Mindestens zehn Meter \u00fcber ihm.<br> Seine linke Hand f\u00fchlte sich bereits kalt an. Wie lange dauerte es in diesen eisigen Temperaturen hier unten, bis die Finger erfroren? Vorsichtig bewegte er einen Fu\u00df. Ein Prickeln im Bein. Der Eisvorsprung klemmte die Blutzufuhr oberhalb des Schenkels ab.<br> Wo war sein Snowboard? Er konnte es nirgendwo sehen. Und auch seine Bauchtasche war weg. Sie musste sich beim Sturz gel\u00f6st haben.<br> Aber das war nicht so schlimm. Viel schlimmer war, dass er sein Handy nicht bei sich hatte. Er konnte nicht einmal um Hilfe rufen.<br> Niemand konnte ihn erreichen. Und niemand w\u00fcrde ihn vermissen. Nicht f\u00fcr einige Tage.<br> Einige Tage. Er wollte nicht einmal eine einzige Nacht hier unten verbringen. Eine Nacht in diesem Eisgef\u00e4ngnis konnte den Tod bedeuten.<br> Er hatte sich schon einmal in den Alpen aus einer Gletscherspalte gerettet. Aber er war damals angeseilt gewesen und trug Steigeisen. Und einen Eispickel hatte er auch dabeigehabt. Oben hatten die Seilkameraden alle Hebel in Bewegung gesetzt.<br> Hier war er allein.<br> Was war das? Er h\u00f6rte etwas. Ein H\u00e4mmern! Seine Retter! Sie befanden sich am Spaltenrand. Sie h\u00e4mmerten unaufh\u00f6rlich.<br> <br> Aber er sah keine Retter. Und das war kein H\u00e4mmern. Es war sein eigener Puls, der unter seinem Helm widerhallte.<br> Er versank in Angst. In einem rasenden Anfall von Klaustrophobie.<br> Er versuchte, ruhiger zu atmen. Ein Gedanke durchblitzte ihn. Er wusste, jede Bewegung konnte ihn aus seinem Sicherheitssitz in die Tiefe bef\u00f6rdern. Trotzdem musste er es wagen. Zentimeter um Zentimeter zog er den rechten Arm heran. Der Druck auf seine Schulter verst\u00e4rkte sich. Unvermittelt sp\u00fcrte er einen stechenden Schmerz. Doch er h\u00f6rte nicht auf. Die Hand befand sich schon auf der H\u00f6he der Schulter. Unter Schmerzen drehte er sie, bis sie auf der Brusttasche seines Skianzugs lag. Seine Finger waren bereits etwas steif, es gelang ihm dennoch, den Klettverschluss aufzurei\u00dfen.<br> Er konnte die Finger nicht in die Tasche schieben. Aber er dr\u00fcckte den Gegenstand in der Tasche von au\u00dfen nach oben zur \u00d6ffnung. Er tastete nach der k\u00fchlen Oberfl\u00e4che. Sein Taschenmesser. Eine Welle des Gl\u00fccks durchflutete ihn.<br> In diesem Moment entglitt das Messer den kalten Fingern.<br> Er konnte es nicht fassen.<br> M\u00fchsam wandte er den Blick nach unten. Da lag es, auf einer kleinen Eisbr\u00fccke! Bislang hatte er sie nicht bemerkt. Wenn es ihm gel\u00e4nge, die F\u00fc\u00dfe daraufzustellen, dann k\u00f6nnte er sich vielleicht aus seiner Falle befreien. Dann k\u00f6nnte er sich an der Wand aufrichten.<br> Er verwarf den Plan wieder. Wenn die schmale Br\u00fccke sein Gewicht nicht hielt, dann w\u00fcrde er f\u00fcr immer in der schrecklichen Tiefe verschwinden.<br> Er wartete. Je mehr Zeit verging, umso gr\u00f6\u00dfer wurde seine Verzweiflung. Die K\u00e4lte kroch aus dem Eis in alle Winkel seines K\u00f6rpers. Sein Kopf schmerzte. Seine Schulter schmerzte. Und jetzt fing auch das rechte Bein zu pochen an. Er hatte nichts mehr zu verlieren. Er musste sich selbst helfen. Er musste handeln.<br> <br> Langsam lie\u00df er sich aus seiner sicheren Kuhle herabgleiten. Dann schwang er die Beine schr\u00e4g hin\u00fcber \u2013 und kam zum Stehen! Sein Herz klopfte wild. Er zitterte. Je l\u00e4nger er stand, umso mehr Vertrauen fasste er in den schmalen Steg. Vorsichtig befreite er den Oberk\u00f6rper vom Schnee, der auf ihn gefallen war, und stie\u00df sich mit der Hand von der Eiswand ab. Die Br\u00fccke hielt.<br> Er streckte den rechten Arm ganz nach unten. Durch die Schulter zuckte ein h\u00f6llischer Schmerz, aber er ignorierte ihn. Er packte das Messer im Schnee und lie\u00df es nicht mehr los.<br> Er begann mit der Klinge an der Eiswand zu schaben. Es dauerte eine Stunde, bis er zwei Tritte herausgekratzt hatte. Ersch\u00f6pft machte er Pause. Als er sich kr\u00e4ftig genug f\u00fchlte, stemmte er sich mit Oberk\u00f6rper und H\u00e4nden an der Wand ab und zog das linke Bein hoch. Dann das rechte. Die Snowboardschuhe schoben sich in die Eisstufen. Die Spalte war gerade eng genug, dass er den R\u00fccken gegen die Wand dr\u00fccken konnte. Er schloss die Augen. Der erste Schritt war geschafft.<br> Wieder kratzte er an der Eiswand. Stunden vergingen. Die \u00d6ffnung kam n\u00e4her, aber das Licht wurde schw\u00e4cher. Es wurde Abend. Er verst\u00e4rkte seine Anstrengungen. Er musste es schaffen.<br> Seine Hand fasste nach oben. Ein Absatz. Harter Schnee. Kein Eis mehr. Er stemmte sich ein letztes Mal in die H\u00f6he.<br> Offener Himmel. Ihm wurde schwarz vor Augen. Er lie\u00df sich auf den R\u00fccken in den Schnee fallen. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Im Kopf dr\u00f6hnte es.<br> Dieses laute Dr\u00f6hnen. Immer lauter. Er wandte den Kopf.<br> Da packte es ihn schon. Mit scharfen, metallenen Klauen. Es riss ihn auseinander. Verdrehte seine Glieder. Brach ihm die Knochen. Dr\u00fcckte den gefolterten Leib zur\u00fcck in die Gletscherspalte. Und dar\u00fcber einen Grabdeckel aus bleischwerem Schnee.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/DieLetzteErkenntnis-1000.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1467\" width=\"470\" height=\"705\" srcset=\"https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/DieLetzteErkenntnis-1000.jpg 666w, https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/DieLetzteErkenntnis-1000-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Copyright @ Verlag Edition M Autorin: Bernadette Calonego Prolog Pl\u00f6tzlich war der Boden weg. Nichts mehr. Nur Leere. Er fiel. Sein Kopf schlug wie ein Squashball links und rechts auf. W\u00e4nde aus steinhartem Schnee. Er hatte keine Zeit zum Schreien. Er fiel und fiel. 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