{"id":257,"date":"2008-03-26T12:34:27","date_gmt":"2008-03-26T19:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernadettecalonego.com\/deutsch\/?p=58"},"modified":"2019-02-05T19:25:50","modified_gmt":"2019-02-06T03:25:50","slug":"hundert-jahresex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/de\/hundert-jahresex\/","title":{"rendered":"Hundert Jahre Sex"},"content":{"rendered":"<p><em>Erschienen in der S\u00fcddeutschen Zeitung am 26. M\u00e4rz 2008<\/em><\/p>\n<p><em>Fotos: Quelle Underwater Harvesters Association<\/em><\/p>\n<p>Die Geoduck-Muschel ist eines der seltsamsten Lebewesen, und sie  kommt nur im nordwestlichen Pazifik vor. Wegen ihres runzligen langen  Saug-Halses wird sie auch Elefantenr\u00fcssel-Muschel genannt. Noch vor  einer Generation interessierte sich kaum jemand f\u00fcr sie, aber ihr  Aschenputtel-Dasein geh\u00f6rt heute endg\u00fcltig der Vergangenheit an: Seit  asiatische Einwanderer in der kanadischen Provinz British Columbia diese  Muschel entdeckt haben, ist sie eine begehrte und kostspielige  Delikatesse in den Restaurants in Festland-China, Hongkong, Macao und  Japan geworden. Das hat auch viel mit ihrem unverwechselbaren Aussehen  und den Vorlieben asiatischer M\u00e4nner zu tun.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"geoduck01\" src=\"https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/geoduck01.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"280\"><\/p>\n<p>Viele Asiaten sehen in der Geoduck-Muschel ein Potenzmittel, sagt  Jack Lai, Besitzer der Firma Evergreen International in Vancouver, die  Elefantenr\u00fcsselmuscheln nach Asien exportiert: &#8220;Geoducks sind sehr  beliebt bei wohlhabenden Chinesen, die sich heute Luxusprodukte leisten  k\u00f6nnen.&#8221; Begonnen hat der Trend aber mit Einwanderern aus Japan, die  Ende der siebziger Jahre bemerkten, dass die kanadische  Elefantenr\u00fcsselmuschel einer seltenen Muschel in ihrme Heimatland glich.  Sp\u00e4ter begannen aus Hongkong stammende chinesische K\u00f6che die Muschel in  ihren kanadischen Restaurants anzubieten. Als sie nach Hongkong  zur\u00fcckkehrten, nahmen sie diesen Geheimtipp mit. So begann der Siegeszug  der Geoduck-Muschel in Asien.<\/p>\n<p>&#8220;Chinesen glauben, dass sie sind, was sie essen&#8221;, zitierte die  Zeitung &#8220;The Vancouver Sun&#8221; Claude Tchao, einen anderen Exporteur aus  Vancouver: &#8220;Wie sieht eine Geoduck-Muschel aus&#8221; Speziell M\u00e4nner waren  ganz wild auf sie, und sie wollten sie lebend und roh.&#8221;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich, so best\u00e4tigt Jack Lai, werden die Geoduck-Muscheln nach  ihrer Ernte in British Columbia so schnell nach Asien transportiert,  dass sie dort lebend angeboten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Muschel besitzt einen s\u00fc\u00dfen Geschmack, eine knackige Haut und wird meist in d\u00fcnnen Scheiben den Gerichten beigemischt.<\/p>\n<p>Die Geoduck-Muschel (lateinisch panopea abrupta ) gr\u00e4bt sich zu ihrem  Schutz in den meist sandigen Meeresgrund ein. Sie braucht den R\u00fcssel,  der in Asien soviel Aberglauben ausl\u00f6st, um aus dem Wasser an der  Oberfl\u00e4che Nahrung, n\u00e4mlich tierisches und pflanzliches Plankton,  einzusaugen.   &#8220;Sie erh\u00e4lt auch Sauerstoff durch den R\u00fcssel und ben\u00fctzt  ihn f\u00fcr Ausscheidungen&#8221;, sagt der kanadische Meeresbiologe Grant Dovey.<\/p>\n<p>Die Elefantenr\u00fcsselmuschel ist \u00fcberhaupt ein erstaunliches Lebewesen:  Sie kann eines der h\u00f6chsten Alter unter den Tieren erreichen. Michelle  James, Direktorin der Underwater Harvesters Association in Vancouver,  erz\u00e4hlt von einem 168 Jahre alten Expemplar, das man in British Columbia  fand. Das Alter l\u00e4sst sich wie bei einem Baum an den Jahresringen an  der Schale ablesen.<\/p>\n<p>Die durchschnittliche Muschel wird rund 1,1 Kilogramm schwer und 150  Millimeter lang. Der Name Geoduck kommt vom indianischen Wort &#8220;gwe-duk&#8221;  (grabe tief) und wird &#8220;Guui-Dak&#8221; ausgesprochen. Man findet die Muschel  nur in den salzhaltigen Gew\u00e4ssern vor Alaska bis hinunter zum Golf von  Kalifornien. Bei der Ernte lockern spezialisierte Taucher den  Meeresboden, in dem die Muscheln bis zu einem Meter tief stecken, mit  einem Hochdruck-Wasserstrahl auf.<\/p>\n<p>Es handelt sich laut Grant Dovey weltweit um die gr\u00f6sste Spezies  unter den Muscheln, die sich vergraben. Sie ist auch die wertvollste f\u00fcr  die Fischerei an Kanadas Westk\u00fcste.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"geoduck02\" src=\"https:\/\/www.bernadettecalonego.com\/deutsch\/wp-content\/uploads\/geoduck02.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"210\"><\/p>\n<p>Der Export von Geoduck-Muscheln ist ein lukratives Gesch\u00e4ft: British  Columbia verkauft 1700 Tonnen j\u00e4hrlich f\u00fcr fast 23 Millionen Euro. Mit  den US-Staaten Washington und Alaska zusammen sind es 4000 Tonnen  j\u00e4hrlich. In einem Laden in Vancouver bezahlt man 13 bis 20 Euro f\u00fcr ein  Pfund. In Asien wird es viel teurer: &#8220;In einem Restaurant in Hongkong  kann man leicht 100 kanadische Dollar (rund 66 Euro) f\u00fcr ein Gericht mit  Geoducks bezahlen&#8221;, sagt Michelle James. Die Europ\u00e4ische Union, erg\u00e4nzt  sie, erlaube die Einfuhr von lebendigen Geoduck-Muscheln aus Gr\u00fcnden  des Schutzes einheimischer Arten nicht .<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t der Muschel wird nach ihrem Aussehen gewertet: Je wei\u00dfer  und l\u00e4nger der R\u00fcssel, umso wertvoller das Exemplar. Fast 100 Prozent  der Muscheln werden lebend transportiert. F\u00fcr den Transport brauchen sie  kein Wasser, falls sie k\u00fchl und feucht verpackt werden, denn es handelt  sich um Lebewesen, die in der Natur in Zonen mit Ebbe und Flut leben.<\/p>\n<p>Vor allem im US-Staat Washington wird die Muschel auch in speziellen  Anlagen gez\u00fcchtet. Die Beh\u00f6rden in British Columbia haben die Ernte im  Ozean stark eingeschr\u00e4nkt, da sich die Geoduck-Muscheln nur langsam  reproduzieren. Sie laichen vornehmlich im Juni und Juli, wenn das Wasser  warm ist. Die Weibchen setzen 7 bis 10 Millionen Eier frei, die im  Wasser verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen, bis sie sich  schliesslich nach 40 bis 50 Tagen auf dem Meeresboden niederlassen. Dort  vergr\u00e4bt sich die Geoduck, um nicht von Krabben, Seesternen oder  Wasserv\u00f6geln gefressen zu werden. Vor allem die Jungtiere sind  gef\u00e4hrdet, w\u00e4hrend die Erwachsenen tief genug im Untergrund stecken, um  nicht entdeckt zu werden. &#8220;Auch Seeotter lieben Geoducks und k\u00f6nnen  tiefe G\u00e4nge graben&#8221;, sagt Grant Dovey.<\/p>\n<p>Voll ausgebildete Fortpflanzungsorgane wurden in sieben bis 107 Jahre  alten Muscheln gefunden. Daraus kann man schliessen, dass sich einzelne  Exemplare dieser Gattung w\u00e4hrend mehr als einem Jahrhundert vermehren  k\u00f6nnen! Kein Wunder, dass manche M\u00e4nner an ihre Wirkung als  Aphrodisiakum glauben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen in der S\u00fcddeutschen Zeitung am 26. M\u00e4rz 2008 Fotos: Quelle Underwater Harvesters Association Die Geoduck-Muschel ist eines der seltsamsten Lebewesen, und sie kommt nur im nordwestlichen Pazifik vor. Wegen ihres runzligen langen Saug-Halses wird sie auch Elefantenr\u00fcssel-Muschel genannt. 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