Es ist jetzt gegen Ende Januar und im Norden Neufundands liegen mindestens noch drei Wintermonate vor uns. Ich werde die Zeit nutzen, den Entwurf zu einem neuen Calista-Gates-Krimi zu schreiben und einen Wanderurlaub in Europas wärmeren Gefilden zu planen. Es ist nicht so, dass Winter in Kanada keine Freuden bereithält. Wenn man sich darauf einstellt, kann es manchmal ganz vergnüglich werden. In unserer winzigen Fischersiedling lebt auch eine Künstlerin, Carolyn Gotjen-Pilgrim, die ab und zu Malkurse anbietet, und ich sage nie nein. Malen ist nicht meine Stärke, aber es macht Spaß!

Weihnachten und den Jahreswechsel habe ich ohne bleibende Schäden überstanden. In Neufundland wird Weihnachten ja zwölf Tage lang zelebriert, und in den Dörfern besucht sich man während dieser Zeit gegenseitig. Früher kamen auch die Mummers oder Jennies vorbei, mit alten Klamotten verkleidete und maskierte Einheimische, die Musik machen und tanzen und die man mit Getränken und Snacks bewirtet. Dieses Jahr waren in unserem Dorf keine Mummers aktiv, vielleicht weil der Boden überall so eisig war. Ich durfte aber in Carolyn’s Malklasse Mummers in Acrylfarben auf die Leinwand bringen. Die Getränke und Snacks habe ich selbst verschlungen.

Eine gute und eine schlechte Nachricht; die gute zuerst: Das Taschenbuch von Todestiefe ist bereits erhältlich, das E-Book kommt am 7. Februar heraus.
Die schlechte: Mein langjähriger Übersetzer Gerald Chapple ist Anfang November letzten Jahres an einem Hirnschlag gestorben, praktisch nachdem er Finsterinsel ins Englische übersetzt hatte. Das ist ein schmerzhafter Verlust für seine Frau Nina, seine Kinder und Freunde, aber auch für mich. Jerry war ein fantastischer Übersetzer. Leser in Nordamerika sagten mir, man merke gar nicht, dass meine Krimis übersetzt seien. Ich werde sicher meine Bücher weiter übersetzen lassen, doch Jerry, der auch ein Mentor und wichtiger Gesprächspartner war, wird mir unendlich fehlen.

Wegen der Winterstürme mussten wir in unserer abgeschiedenen Gegend einige Stromausfälle überstehen. Glücklicherweise haben wir einen Generator, aber er deckt nicht alles im Haus ab. Wichtig ist der Holzofen, einige Lichter, Internet und Telefon und Mikrowellen, aber weder Kochherd noch Licht in der Küche sind abgedeckt. Während des letzten Sturms fiel auch noch die Holzheizung, der Mikrowellenherd und das Internet aus! Mein Fischer fand heraus, dass der Generator vereist war und konnte das Problem beheben. Ich war total glücklich, wenigstens einen Teil des Stroms zurückzuhaben. Was mich zur Einsicht führte: Wenn man sich etwas für eine Weile entzieht und es dann wieder zurückerhält, ist man total glücklich darüber. Ich glaube, ich versuche das mal mit Schokoladenpudding.

Zu Weihnachten bekam ich viele Bücher geschenkt. Der Band Ein Jahr voller Wunder von Clemency Burton-Hill stellt jeden Tag ein klassisches Musikstück vor, das ich mir anschließend anhöre. Ich bin seit Kindheit mit den bekannteren Werken klassischer Musik vertraut, dank meiner Eltern, aber ich bin auch ein Fan von Rock- und anderer Popmusik. Dieses Buch öffnet eine neue Welt der Musik für mich, die ich viel zu wenig pflegte. Ein Stück, das ich auf diesem Weg entdeckt habe, bezaubert mich über alles: O Magnum Mysterium von Arthur Sullivan (1842 – 1900). Ich höre es mir seitdem jeden Abend an und die Harmonien der Chorstimmen tragen mich auf Schwingen in die Höhe.
Ich wünsche euch allen das Beste für 2026 (auch wenn es derzeit eher bedrohlich aussieht)!
